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Predigt anlässlich der Trauerfeier für Heike Christa Gaschler am 21.12.2007
Lieber Herr Gaschler!
Liebe Familie Scherer!
Liebe Verwandte und Freunde der Verstorbenen!
Liebe Trauergemeinde!
"Das kann doch nicht wahr sein!"
Wahrscheinlich haben Sie auch das gefühlt, das gedacht, als Sie Ihre Ehefrau,
Ihre Tochter im Diak bis in den Tod begleitet haben.
Fassungslos sind Sie nun und traurig. Sie, Herr Gaschler, bewegt Heute nicht nur die Trauer um
Heike Gaschler. Sie selbst verloren vor einiger Zeit ihren Vater. Heute werden alle Wunden wieder
aufgerissen und schmerzlich berührt. Auf einmal ist sie wieder da - die Trauer um Menschen,
die Einem niemand ersetzen kann.
Wir mögen im Berufsleben zu ersetzen sein, in unseren persönlichen Beziehungen sind wir es nicht.
Unser Vater, unsere Mutter, unser Ehepartner, unsere Kinder sind einzigartig.
Wir sind mit Ihnen über den Tod hinaus verbunden. Und dennoch müssen wir die Verstorbenen nach
und nach los lassen und uns erneut dem Leben, unserem Leben zuwenden.
Das ist eine schwere Aufgabe auf dem Weg der Trauer. Manchmal braucht man dabei Hilfe -
von Freunden oder Freundinnen, von Gott, vielleicht aber auch von Menschen, die selber nicht betroffen
sind und deshalb die Kraft haben, den Trauerweg zu begleiten.
Zum Prozess des Loslassens gehört die Rückschau, die Erinnerung. Was habe ich mit Heike Gaschler erlebt?
Wo habe ich mich über unsere Beziehung gefreut, wo fiel sie mir schwer? Was verliere ich durch ihren Tod?
Das können nur Sie, die nahen Angehörigen, für sich selber beantworten.
Die Gespräche mit ihr, die Umräumaktionen im Wohnzimmer, die gemeinsamen Urlaube, die Skiausfahrten sind nicht mehr.
Und das tut weh.
Wer war Heike Christa Gaschler?
Heike Christa Gaschler wurde am 9. Juni 1977 in Schwäbisch Hall geboren. Ihre Eltern sind Hugo und
Christa Scherer. Zusammen mit Ihrem Bruder wuchs sie hier in Westheim auf. Hier ging sie auch zur Schule.
Nach dem Berufskolleg machte sie eine kaufmännische Lehre bei Röger Sauna in Sittenhardt.
1999 ging sie zur Bausparkasse, später zum Kreditwerk und arbeitet dort als kaufmännische Sachbearbeiterin.
Bei der Arbeit lernte sie Sie, Herr Thomas Gaschler kennen.
Sie heirateten im August 2006, bauten in Ottendorf und zogen im Oktober dort ein.
Ihre Frau hatte Spaß am Leben. Sie spielte Tennis, fuhr gerne Ski und räumte für ihr Leben gerne Zimmer um.
Sie hatte viel Lebensenergie. Sie war fröhlich und verstand es, andere Menschen zu begeistern.
Sie hatte ein Herz für Menschen in Not. Wenn jemand etwas auf dem Herzen hatte, konnte man bei ihr anrufen.
Sie hörte zu und verstand zu trösten. Als sie sich einen Hund aussuchte, suchte sie sich das Tier aus, das niemand
vom Rudel annehmen wollte.
Sie bastelte auch mit Ihren Kindern, mit Lea und Nicolas.
Und sie lud allzu gerne vor Weihnachten die gesamte Verwandtschaft nach Westheim ein.
Ihren 30. Geburtstag wollte Heike Gaschler in Italien feiern.
In der Nacht auf ihren Geburtstag beginnt ihre Leidensgeschichte.
Sie bekam Magenschmerzen, die in den folgenden Tagen und Wochen nicht weggehen sollten.
Im August stellte man ein Magengeschwür fest, später diagnostizierte man Krebs.
Am Freitag letzter Woche wurde sie in das Diak eingeliefert.
Dort verstarb sie in Ihrer Gegenwart am vergangenen Dienstag, den 18. Dezember 2007.
Sie wurde 30 Jahre alt. Sie hinterlässt Sie, Ihren Ehemann, ihre Eltern und ihren Bruder.
Lieber Herr Gaschler!
Liebe Familie Scherer!
Liebe Verwandte und Freunde der Verstorbenen!
Liebe Trauergemeinde!
Heike Gaschler hatte ein offenes Herz für Menschen in Not.
Wenn man Hilfe brauchte, konnte man sich an sie wenden.
Sie hörte zu. Sie versuchte zu trösten.
Vielen ging es danach besser.
Und sie riefen sie gerade darum öfter an.
"Sie war ein Kummerkasten", haben sie mir bei unserem Gespräch vor dieser Trauerfeier gesagt.
Reden, ablegen, was man auf dem Herzen hat, das ist wichtig - besonders an solchen Tagen wie Heute.
Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude, sagt man.
Da ist viel dran. Gespräche mit Menschen, Menschen mit einem offenen Ohr, einem offenen Herzen helfen,
Gespräche mit solchen Menschen tun gut.
Nun stellen wir freilich fest, dass über manches einfach nicht drüber weg kommen.
Wir sehen uns Fragen gegenüber, die wir mit Menschen zusammen einfach nicht klären können.
Warum musste Heike Gaschler so früh sterben? Warum musste sie so plötzlich von uns gehen?
Warum musste sie so sehr leiden? Diese Fragen können uns Menschen nicht so einfach beantworten.
Interessanterweise macht uns Gott in dieser Situation ein ähnliches Angebot wie Heike Gaschler.
Er spricht durch uns durch einen Psalm.
In Psalm 50,15 heißt es:
Rufe mich an in der Not,
so will ich dich erretten,
und du sollst mich preisen.
Die Bibel gibt uns keine Antwort auf die Warum-Frage.
Sie stellt aber immer wieder fest, dass es Leid, Trauer und unserer Welt gibt - seit der Zeit,
an der sich die ersten Menschen von Gott getrennt haben.
Aber Gott sagt uns in der Bibel auch, wie wir mit Leid, Trauer und Klage umgehen sollen.
"Rufe mich an in der Not", sagt Gott.
Das heißt: "Glaub mir einfach, dass ich da bin.
Falte deine Hände, morgens oder abends. Und sag einfach, was dich bedrückt.
Sag mir, was du leidest, was du auf dem Herzen hast.
Sag mir die Fragen, die du stellst und auf die du doch keine Antwort bekommst."
Wer so betet, dem verspricht Gott Unglaubliches: "Ich will dich erretten", sagt er.
Manche Lebenstage, manche Lebenswochen, manche Schwierigkeiten und Probleme sind wie
ein Strudel in einem Fluss oder im Meer.
Diese Strudel sind stark, sie ziehen einen hinunter. Man ist wie in einem Sog.
Es geht nur nach unten. Man kriegt keine Luft mehr.
Und man kommt von alleine nicht mehr raus.
Gott verspricht uns, dass wir aus so einem Strudel herauskommen.
Er errettet uns davor, dass uns unsere Probleme unterkriegen.
Er errettet uns davor, dass uns unsere Problem unseren Lebensatem und unsere Lebenskraft nehmen.
Er sorgt dafür, dass wir wieder Luft kriegen.
Aber nicht nur das.
Gott sagt uns: "Rufe mich in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen."
Wer sich Gott anvertraut, erkennt die Macht des Gebets.
Er erkennt aber auch die Macht Gottes. Gott ist groß. Sein Arm reicht weit.
Er kann uns helfen - auch wenn wir das nicht zu hoffen wagen.
Wer das erfährt, wird nicht Zeit seines Lebens klagen.
Irgendwann kommen andere Tage.
Dann werden wir Gott danken und ihn loben - für das, was er uns in unserem Leben geschenkt hat.
Wir beten zum Abschluss mit den Worten Dietrich Bonhoeffers:
Gott zu dir rufe ich am Morgen,
hilf mir beten und meine Gedanken sammeln;
ich kann es nicht allein.
In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht.
Ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht.
Ich bin kleinmütig, aber bei dir ist die Hilfe.
Ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden.
In mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist sie Geduld.
Ich verstehe deine Wege nicht,
aber du weißt den rechten Weg für mich.
Amen.
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